Der 9. November ist in der deutschen Geschichte ein besonderes Datum, ein Tag der Nachdenklichkeit, des Leides und der Freude. Beim SPD Treff am Dienstag, 10.11.2009, wird diesem Datum gedacht werden.
Am 9. November 1918, vor dem Hintergrund der absehbaren Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg, verkündet Reichskanzler Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelm II. und übergibt Friedrich Ebert (SPD) die Amtsgeschäfte.
Nach teilweise heftigen kämpferischen Auseinandersetzungen ist das die Basis für die spätere Weimarer Republik.
5 Jahre später, am 9. November 1923 steht das Datum wieder für einen politischen Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands. In München kommt es zum Hitler-Ludendorff-Putsch, bei dem die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler und General Erich Ludendorff ver-suchen die Reichsregierung zu stürzen.
Wiederum 15 Jahre später, der 9. November 1938 - eine der dunkelsten Tage in unserer Geschichte. Synagogen, Gotteshäuser brennen, jüdische Geschäfte und Einrichtungen werden demoliert, tausende jüdische Mitbürger verhaftet, die offene Verfolgung der Juden war eingeleitet, in deren Folge auch zahlreiche politische Gegner, insbesondere Kommunisten und Sozialdemokraten, Sinti und Roma, Homosexuelle, praktizierende Christen und geistig Behinderte in Konzentrationslager transportiert wurden.
Dann am 9. November 1989 der Glückstag der Deutschen. Das geteilte Deutschland findet nach einer beispielslosen friedlichen Revolution in der damaligen DDR zusammen: Seit Jahren finden sich immer mehr Menschen, vielfach unter dem Dach der protestantischen Kirchen, die sich den staatlich verordneten Zwängen verweigern wollen. Die Unzufriedenheit wächst, vor allem unter den jungen Menschen. Während die einen die DDR verlassen, sei es durch Ausreise oder Flucht, wollen andere die Gesellschaft reformieren. Bürgerbewegungen und Parteien werden gegründet, so auch die Sozialdemokratische Partei am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR Gründung, unter Führung von Martin Gutzeit und Markus Meckel, zwei evangelischen Theologen. Immer mehr Menschen schließen sich im Folgenden den Demonstrationen an. Die vielleicht entscheidende Demonstration findet am 9. Oktober 1989 in Leipzig statt, zehntausende Menschen ziehen friedlich, viele mit brennenden Kerzen, durch die Innenstadt und rufen "Wir sind das Volk!". Die Demonstrationswelle weitet sich immer stärker aus und hat am 4. November in Berlin auf dem Alexanderplatz, mit der größten Demonstration in der Geschichte der DDR ihren Höhepunkt. Der Verfall der DDR ist nicht mehr zu stoppen. Tausende haben alleine in den ersten Novembertagen die DDR verlassen. Die "Notbremse", die Verkündung von Reisemöglichkeiten am Abend des 9. November, greift nicht mehr - die Mauer fällt, der Kalte Krieg und die Teilung der Welt in zwei Blöcke ist mit diesem Tag beendet. Die Bedeutung für Deutschland hat Willy Brandt am 10.11.1989 in einem Satz zusammen gefasst: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.".