Vor 100 Jahren, am 24. März 1912 wurde der SPD-Ortsverein Murr im Gasthaus „Rößle“ aus der Arbeiterbewegung heraus gegründet – das Gasthaus gibt es heute nicht mehr, wohl aber den SPD-Ortsverein und darauf sind die Murrer Genossinnen und Genossen stolz!
Allerdings war damals der 24. März kein Samstag wie in diesem Jahr, sondern ein Sonntag, denn Arbeiter durften sich damals zum einen nur sonntags versammeln, zum anderen ließen ihnen die damals überlangen Arbeitszeiten sowieso keine Wahl. Den Gründern ging es darum, einzutreten für ein besseres, gerechteres und friedlicheres Leben, für Arbeiterrechte, soziale Gerechtigkeit und Solidarität der Starken mit den Schwächeren. Bis die Industrialisierung auch unsere Region erreichte, war Murr von „bäuerlichem Leben“ geprägt, eine dörfliche Arbeiterklasse gab es vorher noch nicht und wenn überhaupt, war ein Teil der Bauern im konservativen Bauernbund organisiert.
In der Gemeinde – für die Gemeinde, damals wie heute der Wahlspruch der Murrer Sozialdemokraten. So engagieren sich die Genossinnen und Genossen seit Bestehen des SPD-Ortsvereins gemäß den sozialdemokratischen Grundwerten Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität nicht nur in der (Kommunal-)Politik, sondern auch in den sport- und kulturtreibenden Vereinen und haben so mit ihrem Wirken einen sehr großen Anteil an einem aktiven Gemeindeleben insgesamt. Der Bogen lässt sich spannen von den Arbeitersportvereinen, dem Arbeitergesangverein (später Gesangverein „Vorwärts“) bis zu den heute bestehenden Vereinen, vor allen Dingen auch dem größten örtlichen Verein, dem SGV Murr, der nach dem 2. Weltkrieg gegründet wurde.
Eine lange Geschichte hat auch die Zusammenarbeit der Ortsvereine in der „SPD Bottwartal“ (Ortsvereine Großbottwar, Murr, Oberstenfeld und Steinheim), verstand sich doch der Murrer Ortsverein damals als „Vorposten zum Bottwartal“ der die „Landagitation“ bis nach Prevorst betrieb, wobei die Sozialdemokraten teilweise unter Androhung von Prügeln aus den Dörfern des Bottwartals verjagt wurden. Auch heute fällt die Arbeit der Sozialdemokraten im Bottwartal nicht immer leicht, läuft aber zumindest immer ohne körperliche Schäden und Verunglimpfungen ab…
In Murr selbst hatten es die „Sozis“ ebenfalls nicht immer leicht, bekamen sie doch auch ziemlich viel Ablehnung von Teilen der Bevölkerung zu spüren. So registrierte der Murrer Pfarrer 1909 als Vertreter der kirchlichen Gemeinde noch vor Gründung des Ortsvereins mit Besorgnis, dass sich „in Folge des Einflusses der Sozialdemokratie, die hier ziemlich viel Boden hat, bei manch einem ein kühleres Benehmen dem Pfarrer gegenüber bemerkbar macht“, die Ursache sei der Geist, den Arbeiterinnen und Arbeiter in die Gemeinde bringen. Welch Parallele zur in jüngster Vergangenheit getätigten Aussage in der weltlichen Gemeinde, nach der „das Verhalten der SPD zu einem veränderten, abgekühlten Klima in der Gemeinde“ sorge.
Wie früher, so auch heute spornt dies jedoch die Arbeit der Sozialdemokraten erst richtig an, auch in Zukunft werden sich Murrer Genossinnen und Genossen im Rahmen der oben genannten Grundwerte in die Gemeinschaft einbringen.
Zweimal im letzten Jahrhundert mussten die Sozialdemokraten in Murr zwangsläufig ihre Arbeit einstellen, so im 1915 (bis 1918) als die letzten Genossen Karl Zimmermann und Albert Janus im 1. Weltkrieg eingezogen wurden, sowie aufgrund des Parteiverbots während der Naziherrschaft von 1933 bis 1945. Doch gleich danach nahm der SPD-Ortsverein seine Arbeit wieder auf und setzte sie bis heute ununterbrochen fort. Die SPD selbst hat sich in dieser Zeitspanne auch von der reinen Arbeiterpartei zur Volkspartei gewandelt.
Auf den Tag genau 100 Jahre nach der Gründung des Ortsvereins Murr wurde als erste Jubiläumsveranstaltung zur Freude der Murrer Genossen die Jahreskreiskonferenz des Kreisverband Ludwigsburg in Murr durchgeführt.

Von links nach rechts: Der Stv. Vorsitzende des Ortsvereins Murr, Dr. Markus Mužic, Landtagsabgeordneter Thomas Reusch-Frey, Kreisvorsitzender Thorsten Majer, MdL Claus Schmiedel und Guido Seitz, Vorsitzender des Ortsvereins Murr
Im Rahmen der weiteren Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum wird im Bürger- und Rathaus vom 02.10.2012 bis zum 30.10.2012 die Ausstellung „Frei und links“ der Friedrich-Ebert-Stiftung zu sehen sein, die die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie aufzeigt, die nicht nur Kontinuität im Wandel bewiesen hat, sondern auch durch Wandel ihr Selbstverständnis und ihre Funktion erhalten hat können – von der Revolution 1848 und dem Deutschen Bund über das Kaiserreich und die Weimarer Republik sowie über die Verfolgung der Nazis, über Exil und Widerstand bis hin zur Bonner und schließlich zur Berliner Republik.
Der offizielle Festakt „100 Jahre SPD in Murr“ findet am Freitag, 12.10.2012 im Bürgersaal des Bürger- und Rathauses statt und der Festmonat Oktober wird beschlossen durch den traditionellen SPD-Kinderspielnachmittag in der Gemeindehalle am Sonntag, den 21.10.2012.
Bereits heute sind alle Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich zu diesen Veranstaltungen eingeladen!